02.07.2000 Swiss-Jura-Marathon - Europas längster Berglauf
Genf - Basel, 323 km in 7 Tagen, Höhendifferenz +/- 8000 m vom 2. Juli - 8. Juli 2000 - Horst Noffke

Aus der Ausschreibung:

Abenteuerlauf heisst ....
- täglich mindestens eine Marathon-Leistung über coupierte Jura-Naturwege!
- auf der Laufstrecke aufmerksam die Strecken- und Wegmarkierungen beachten!
- auf den üblichen Komfort verzichten und mit Laufkameraden das Touristenlager teilen!
- sich mit einfacher, aber gesunder und kalorienreicher Kost begnügen. Zusätzliche Kraftnahrung
   ist individuell erforderlich!
- es wird von der Organisation kein "Fulltime-Service" angeboten, sondern das Notwendige!
- Selbständigkeit wird erwartet. Eigenverantwortung ist Voraussetzung, Flexibilität muss sein!

 

Mit 120 anderen Läuferinnen und Läufern wollte ich die Herausforderung annehmen, vom Genfer See bis zum Rhein nach Basel auf dem Jura-Höhenweg zu laufen.
Treffpunkt für alle Teilnehmer war Samstag, der 1. Juli 2000, in Genf, zur Einschreibung und zu letzten ausführlichen Informationen zum Lauf. Anschließend gab es ein Abendessen und das "Quartier", ein Feldbett, wurde bezogen.
Die Übernachtungen erfolgten übrigens immer in Turnhallen, auf Matten und mitgebrachtem Schlafsack. Das Gepäck wurde durch die Organisation jeweils zur nächsten Etappe transportiert.

Der Tagesablauf war jeden Tag gleich:
5.30 Uhr aufstehen, frühstücken, für den Lauf vorbereiten.
9.00 Uhr Start. Nach dem Zieleinlauf duschen, Körper pflegen, Spaghetti essen, ausruhen.
18.00 Uhr Abendessen, anschließend Information des Veranstalters über die nächste Etappe.
21.30 Uhr war "Zapfenstreich". Jeder lag auf seiner Matte und schlief den Schlaf des Gerechten (mit Ohrstöpseln ging es ganz gut).

Wer das täglich geforderte Zeitlimit nicht schaffte, durfte nicht mehr als "Runner" starten, sondern mußte noch 2 Stunden früher auf die Strecke und wurde als "Finisher" gewertet.

2.7.2000 Genf - St. Cergue, 45 km, + 1.200 m / - 534 m. Start um 8.00 Uhr. Es war warm, im Laufe des Morgens stieg die Temperatur auf 30 Grad an. Auf den ersten 10 km ging es pro km 100 m bergauf. Herrliche Ausblicke auf den Genfer See und das Berner Oberland, wenn man nicht auf seine Füsse achten musste, weil der Weg sehr steinig war.

3.7.2000 St. Cergue-Vallorbe, 47 km, + 730 m / - 1.021 m. Die Steigungen kosteten viel Zeit und Kraft. Außerdem hatte es nachts geregnet, die Abstiege waren durch das nasse Geröll gefährlich.

4.7.2000 Vallorbe - Fleurier, 37 km, + 1.380 m / - 1.389 m. "Nur" 37 km, aber diese Etappe war die "Königsetappe". Zweimal ging es hoch über 1.607 m. Landschaftlich sehr schön, wir konnten verschiedene Seen bewundern. Die letzten 10 km führten steil bergab.

5.7.2000 Fleurier - La Chaux-de-Fonds, 42 km, + 1.028 m / - 773 m. Ca. 15 km flach zum Einlaufen. Danach ging es wieder in die Berge, mit Steigungen bis zu 20%. Verpflegungspunkt bei km 33: ein auf die Strasse gemalter Strich und der Schriftzug: Genf - Basel! Die Hälfte ist geschafft!!

6.7.2000 La Chaux-de-Fonds – Biel , 53 km, + 1.340 m / - 1.890 m. Heute ging es hinauf zum 1.607 m hohen Chasseral, durch Flussbetten, über Baumwurzeln, Steine. Anschließend steile Abstiege; diese Etappe verlangte alles ab.

7.7.2000 Biel - Balsthal, 49 km, + 1.634 m / - 1.590 m. Beim Start Regen und Kälte. Was ziehen wir an? Wir liefen heute bis auf 1.261 m, der Abstieg über steinige Pfade und Wasserläufe war grausam, weil die Oberschenkel inzwischen total übersäuert waren und nicht mehr so recht wollten.

8.7.2000 Balsthal- Basel, 50 km, + 1.100 m / - 1.330 m. Die letzte Etappe! Regen, Nebel, Matsche, steile Anstiege, unwegsames Gelände und nasse Wiesen. Als ich Basel erreichte, schien die Sonne und ich war überglücklich! Ich hatte es geschafft! Nach insgesamt 42 Stunden erreichte ich als "Runner" das Ziel.

Bei der Siegesfeier gab es für jeden "Runner" eine Taschenuhr (limitierte Auflage) mit Widmung. Von 120 gestarteten Teilnehmern erreichten 66 Männer und 6 Frauen das Ziel als "Runner". 6 Teams erreichten das Ziel. D.h. jeweils 2 Läuferinnen bzw. Läufer hatten sich eine Etappe geteilt. 23 Finisher kamen in Basel an.

In der Kürze kann ich dieses Erlebnis gar nicht so wiedergeben. Die Organisation war eine Meisterleistung, Logistik und Verpflegung optimal. Die Stimmung unter den Läufern, die das jeweilige Etappenziel erreicht hatten, war immer super. Alle freuten sich, wieder einen Tag geschafft zu haben.
Der Lauf ist kein Lauf für Bestzeitenjäger. Er ist eine Herausforderung, ein Lauf, um seine eigenen läuferischen Grenzen auszuloten. Der Körper stellt sich auf die Belastungen ein, er meldet sich aber auch, wenn es ihm zuviel wird. Auf keiner Etappe war ich so erschöpft, dass ich dachte, es geht morgen nicht mehr.

Das war Genf - Basel, eigentlich unbeschreiblich".

Horst Noffke